Europa hat KI-Firmen von Weltrang wie Mistral und DeepL, aber nur einen Bruchteil des Kapitals und der Rechenzentren, mit denen amerikanische Konzerne ihre Modelle bauen.
Was fehlt, lässt sich messen: an Kapital, an der Zahl neuer Modelle und am Strompreis.
Was Europa hat
Mistral aus Paris entwickelt große Sprachmodelle und wurde im September 2026 mit über 21 Milliarden Euro bewertet. DeepL aus Köln übersetzt für Unternehmen in aller Welt. Black Forest Labs aus Freiburg entwickelt Bildmodelle und wurde Ende 2025 mit 3,25 Milliarden Dollar bewertet, Helsing aus München baut KI für die Verteidigung und sammelte im Juli 2026 1,8 Milliarden Dollar ein.
Am Anfang der Lieferkette für die modernsten KI-Chips steht ein europäisches Unternehmen. Das niederländische ASML ist nach eigenen Angaben der einzige Hersteller der EUV-Belichtungsmaschinen, ohne die sich die modernsten Chips nicht fertigen lassen. 2025 stieg ASML mit 1,3 Milliarden Euro bei Mistral ein.
Was Europa fehlt
Kapital. 2025 flossen in den USA nach dem AI Index der Stanford University rund 286 Milliarden Dollar privates Kapital in KI-Firmen, in ganz Europa einschließlich Großbritanniens knapp 21 Milliarden, in Deutschland 3,9 Milliarden. Der Abstand wächst: In den USA stiegen die Investitionen binnen eines Jahres um 160 %, in Europa um 7 %.
Modelle. Nach derselben Quelle entstanden 2025 in den USA 59 nennenswerte KI-Modelle, in China 35, in Südkorea 8 und in Europa 2, je eines aus Frankreich und Großbritannien. Der Draghi-Bericht stellte 2024 fest, dass rund 70 % der grundlegenden KI-Modelle seit 2017 in den USA entwickelt wurden und drei amerikanische Konzerne über 65 % des Cloud-Markts halten, weltweit wie in Europa; der größte europäische Anbieter kommt auf 2 % des EU-Markts.
Rechenleistung und Strom. Große Modelle werden in Rechenzentren mit zehntausenden Spezialchips trainiert. Ein deutsches Vorzeigeprojekt, die Industrial AI Cloud von Telekom und Nvidia in München, ging im Februar 2026 mit bis zu 10.000 Chips in Betrieb. Dazu kommt der Strompreis: Größere deutsche Gewerbekunden zahlten im zweiten Halbjahr 2025 rund 22,6 Cent je Kilowattstunde, die amerikanische Industrie im Schnitt umgerechnet etwa 7,6 Cent. Die Werte stammen aus unterschiedlichen Statistiken, der Abstand ist trotzdem eindeutig.
Wie schwer das Mithalten ohne solche Summen ist, zeigt Aleph Alpha. Das Heidelberger Start-up entwickelte eigene große Sprachmodelle, gab das auf und will mit dem kanadischen Anbieter Cohere fusionieren.
Und die Regulierung?
Der AI Act der EU bringt Pflichten und Kosten, besonders für Systeme mit hohem Risiko. Die EU hat diese Pflichten 2026 verschoben: Sie gelten nun ab Dezember 2027 beziehungsweise August 2028. Die Lücke bei Kapital und Rechenleistung ist allerdings älter als das Gesetz. Europas private KI-Investitionen lagen 2025 bei etwa einem Vierzehntel der amerikanischen; diese Lücke hat das Gesetz nicht verursacht.
Was Europa zurück ins Spiel brächte
Die EU will mit dem Programm InvestAI 200 Milliarden Euro für KI mobilisieren, darunter bis zu sieben gemeinsame KI-Gigafabriken für insgesamt über 30 Milliarden Euro; Deutschland gehört zu den 18 beteiligten Staaten, die Standorte sind noch nicht vergeben. Dazu kämen billigerer Strom über besser verbundene Netze und ein Kapitalmarkt, auf dem eine europäische KI-Firma ihre nächste Milliarde zu Hause findet. Was dafür nötig wäre, steht in Was ist die Kapitalmarktunion?
An keinem dieser Hebel kann ein Land allein ziehen, auch nicht Deutschland oder Frankreich. Mistral zeigt, was möglich ist, wenn das Geld zusammenkommt; die Zahlen zeigen, wie selten das bisher geschieht. Warum europäische Firmen generell selten groß werden, beschreibt Warum hat Europa kein Google?