Die EU-Staaten gaben 2025 zusammen 418 Milliarden Euro für Verteidigung aus, 2,2 % ihrer Wirtschaftsleistung und real ein Fünftel mehr als im Vorjahr. In der Reihe der Europäischen Verteidigungsagentur, die bis 2005 zurückreicht, ist das der höchste Wert. Was die Zahl über Europas Verteidigung aussagt, ist eine andere Frage.
Die Rechnung für 2025
Die Europäische Verteidigungsagentur (EDA) addiert jedes Jahr, was die 27 Mitgliedstaaten nach einer gemeinsamen Definition für Verteidigung ausgeben. Für 2025 kommt sie auf 418 Milliarden Euro. Pro Einwohner der EU sind das knapp 1.000 Euro, mehr als doppelt so viel wie 2014. Von den 27 Staaten erreichten 2025 23 die Marke von 2 % ihrer Wirtschaftsleistung, zehn mehr als ein Jahr zuvor.
Knapp ein Drittel, 134 Milliarden Euro, floss in Investitionen. Davon gingen 115 Milliarden in die Beschaffung von Ausrüstung, 26 % mehr als 2024, und 17 Milliarden in Forschung und Entwicklung. Bei Forschung und Technologie im engeren Sinn liegen die Staaten mit 1,6 % ihrer Ausgaben weiterhin unter den 2 %, die sie sich 2007 selbst als Richtwert gesetzt haben. Das Geld fließt also vor allem in fertige Systeme und kaum in neue Entwicklungen.
Der Rest verteilt sich so: Personal einschließlich Pensionen 31 %, Betrieb und Instandhaltung 23 %, Infrastruktur 2 %, nicht zugeordnete Ausgaben 11 %. 2023 lag der Investitionsanteil noch bei 26 %, 2025 bei 32 %.
Zwanzig Jahre in einer Reihe
Rechnet man alle Jahre in Preise von 2025 um, gaben die heutigen Mitgliedstaaten 2005 zusammen 226 Milliarden Euro aus. 2014 waren es nur noch 195 Milliarden. Von 2014, dem Jahr der Krim-Annexion, bis 2024 wuchs die Summe nach Abzug der Inflation im Schnitt um etwa 6 % pro Jahr, auf 349 Milliarden. 2025 folgte ein Sprung um ein Fünftel auf 418 Milliarden. Für 2026 erwartet die EDA 454 Milliarden Euro und 2,4 % des BIP; alle Werte für 2026 sind Schätzungen.
Die ganze Reihe mit Seitenangaben aus dem EDA-Bericht steht in Europäische Verteidigung in Zahlen.
Was die Zahl misst und was nicht
Die Daten melden die Verteidigungsministerien selbst, die EDA rechnet sie in konstante Preise um. Das Wachstum ist deshalb echt und kein Inflationseffekt. Für sieben Staaten sind die Werte für 2025 noch geschätzt.
Vor allem aber misst die Zahl, was hineingeht, nicht was herauskommt. Aus 418 Milliarden Euro lässt sich nicht ablesen, wie viele Brigaden einsatzbereit sind, wie lange die Munition reicht oder wie schnell europäische Armeen gemeinsam verlegen könnten. Einen Hinweis darauf, wie zersplittert eingekauft wird, gibt der Anteil gemeinsamer Beschaffung, den die EDA gesondert erfasst. Ihm geht Kauft Europa seine Waffen gemeinsam? nach.
Vorsicht beim Vergleichen: Die NATO führt eine eigene Reihe für ihre 32 Mitglieder, mit eigener Definition und anderem Länderkreis. EDA- und NATO-Zahlen lassen sich deshalb nicht zusammenrechnen.
Und Deutschland?
Deutschland hat seine Ausgaben in diesem Zeitraum fast verdoppelt, gemessen an der Wirtschaftsleistung: Nach NATO-Definition lag es 2014 bei 1,16 % des BIP, 2025 bei geschätzten 2,22 % und 2026 voraussichtlich bei 2,69 %. Im Bundeshaushalt stehen für 2026 gut 108 Milliarden Euro aus Verteidigungsetat und Sondervermögen. Warum beide Rechnungen verschieden ausfallen, erklärt Wie viel gibt Deutschland für Verteidigung aus?
Viel Geld, noch keine gemeinsame Verteidigung
418 Milliarden Euro sind mehr, als Russland nach jeder Umrechnung ausgibt. Die EDA beziffert die russischen Ausgaben mit Daten von Janes auf rund 132 Milliarden Euro, kaufkraftbereinigt auf etwa 282 Milliarden. Beim Geld liegt Europa vorn.
Russland plant aber mit einem Haushalt und einer Führung, die EU-Staaten mit 27. Jede Regierung entscheidet für sich, was sie kauft, wie viel sie bevorratet und mit wem sie übt. Erst wenn Europa diese Entscheidungen gemeinsam trifft, wird aus der größeren Summe auch die größere Stärke.