Kaum: 2025 kauften die EU-Staaten nur 11 % ihrer Ausrüstung gemeinsam mit anderen Europäern ein, meldet die Europäische Verteidigungsagentur. Den Wert lieferten nur 19 der 27 Staaten.
Im selben Jahr gaben sie 115 Milliarden Euro für Ausrüstung aus, 26 % mehr als im Vorjahr. Mehr Geld hat bisher nicht zu mehr gemeinsamem Einkauf geführt.
Eine Zahl mit Fußnote
Die Europäische Verteidigungsagentur (EDA) erhebt jedes Jahr, welchen Anteil ihrer Rüstungskäufe die Staaten gemeinsam mit anderen europäischen Ländern abwickeln. Für 2025 sind es 11 %. Die Unterschiede zwischen den Ländern sind groß: von 0 bis 55 %, zwei Staaten kauften mehr als die Hälfte ihrer Ausrüstung gemeinsam. Rechnet man Kooperationen über EU-Programme und mit Staaten außerhalb der EU hinzu, steigt der Anteil auf 24 %.
Acht Staaten meldeten keinen Wert, und die EDA weist selbst auf mögliche Untererfassung und unterschiedliche Abgrenzungen hin. Eine Bezugsgröße veröffentlicht sie nicht, man kann die 11 % also nicht in Euro umrechnen. Der wahre Anteil kann etwas höher liegen. An das Ziel, das sich Europa selbst gesetzt hat, kommt er auch bei großzügiger Lesart nicht heran.
Das Versprechen von 2007
Im November 2007 beschlossen die Verteidigungsminister in der EDA vier gemeinsame Richtwerte. Einer davon: Mindestens 35 % der Ausgaben für Ausrüstung sollen auf Projekte mit anderen europäischen Staaten entfallen. Der Wert gilt für alle zusammen, ist freiwillig und hat keine Frist.
Die Reihe, die die EDA heute ausweist, sieht so aus: 22 % im Jahr 2005, 27 % 2011, 33 % 2017, 22 % 2021, 14 % 2023 und 11 % 2025. Weil nicht jedes Jahr dieselben Länder melden, sind das Momentaufnahmen und keine exakte Kurve. Eindeutig ist trotzdem: Die 35 % wurden in keinem Jahr erreicht, und seit 2017 sinkt der Anteil, während die Ausgaben für Ausrüstung steigen.
Die Daten dazu stehen in Europäische Verteidigung in Zahlen.
Was Zersplitterung praktisch bedeutet
Die EDA beschreibt das Problem nüchtern: Nationale Ansätze überwiegen, Beschaffungsprogramme und Lebenszyklen der Systeme sind zwischen den Staaten nicht abgestimmt. Das kostet Größenvorteile und erschwert das Zusammenwirken der Truppen.
Da sind zum einen Parallelprogramme. Entwickeln drei Länder je ein eigenes Gefechtsfahrzeug, zahlen sie dreimal Entwicklung, Erprobung und Zulassung und haben am Ende drei Fahrzeuge, die sich nicht einmal Ersatzteile teilen. Die EU-Kommission zählte 2017 in der Union 178 Typen von Waffensystemen, in den USA 30: 17 Kampfpanzertypen gegenüber einem, 29 Typen von Fregatten und Zerstörern gegenüber vier, 20 Kampfflugzeugtypen gegenüber sechs.
Dann die kleinen Serien. Der Stückpreis sinkt mit der Stückzahl, bei Panzern wie bei allem anderen. Den Rahmenvertrag des Beschaffungsamts der Bundeswehr für den Leopard 2A8 vom Mai 2023 können andere Länder mitnutzen und zu denselben Bedingungen bestellen. Litauen ist im Dezember 2024 mit 44 Panzern beigetreten, die Niederlande im Mai 2025 mit 46, Tschechien im September 2025 mit 44. Das tschechische Verteidigungsministerium begründet den Beitritt mit einem niedrigeren Stückpreis. So kann gemeinsame Beschaffung funktionieren: Ein Vertrag, viele Besteller, eine größere Serie.
Und schließlich der Einsatz selbst. Zwei Brigaden, die an der Ostflanke nebeneinanderstehen, aber andere Munition verschießen, andere Funkgeräte nutzen und andere Ersatzteile brauchen, können Lager, Werkstätten und Ausbildung nicht teilen. Der Wissenschaftliche Dienst des Europäischen Parlaments schätzt die Kosten nicht gebündelter Ausgaben auf 18 bis 57 Milliarden Euro im Jahr.
Was sich ändert
Seit 2025 knüpft die EU erstmals Geld an Zusammenarbeit: Die Darlehen aus dem Programm SAFE, bis zu 150 Milliarden Euro, gibt es bis auf Ausnahmen nur für Käufe, an denen mindestens zwei Staaten beteiligt sind. Die EDA sieht erste Anzeichen einer Wende: Staaten öffnen bestehende Verträge für andere, um an die Kredite zu kommen.
Deutschland war nicht unter den Staaten, die 2025 einen SAFE-Kredit beantragten. Es bezahlt seine Rüstung aus dem eigenen Haushalt, dank der Ausnahme von der Schuldenbremse auch mit eigenen Krediten. An gemeinsamen Käufen beteiligt es sich trotzdem, wie der Leopard-Rahmenvertrag zeigt.
SAFE deckt nur einen Teil der europäischen Beschaffung ab, und die Auszahlungen enden 2030. Der Richtwert von 35 % bleibt freiwillig.
Warum es nicht von allein geht
Nach 18 Jahren liegt der Anteil bei 11 %. Das ist das erwartbare Ergebnis einer Ordnung, in der jedes Land selbst über seine Rüstungskäufe entscheidet, mit eigenem Ministerium, eigenem Parlament und eigener Industriepolitik. Jedes Land will Aufträge für die eigenen Werke, und keines trägt die Folgen, wenn das gemeinsame Ziel verfehlt wird. Ein freiwilliges Ziel ohne Frist und ohne Verantwortlichen wurde entsprechend nie erreicht.
Die USA kaufen für eine Armee aus einem Haushalt, deshalb kommen sie mit 30 Typen von Waffensystemen aus. Solange jedes europäische Land für sich einkauft, bekommt Europa für mehr Geld kleinere Serien und Truppen, die schlechter zusammenpassen. Der Leopard-Rahmenvertrag zeigt, dass es anders geht. Ein europäischer Pfeiler in der NATO, der seine Beschaffung gemeinsam plant, würde aus der Ausnahme die Regel machen.