Vorerst nicht: Seit Januar 2026 gilt der Neue Wehrdienst – freiwillig, aber mit Pflichtfragebogen für junge Männer und ab Juli 2027 mit Pflichtmusterung.
Ob daraus wieder eine Wehrpflicht wird, hängt davon ab, wie viele sich freiwillig melden. Eine Pflicht müsste der Bundestag zudem eigens beschließen.
Was 2011 passiert ist
Abgeschafft wurde die Wehrpflicht nie. Der Bundestag setzte sie im März 2011 aus, seit dem 1. Juli 2011 ruht sie in Friedenszeiten. Artikel 12a des Grundgesetzes blieb unverändert, und nach dem Wehrpflichtgesetz gilt die Pflicht im Spannungs- oder Verteidigungsfall wieder, ohne neues Gesetz.
Was seit Januar 2026 gilt
Am 5. Dezember 2025 beschloss der Bundestag das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz mit 323 zu 272 Stimmen; CDU/CSU und SPD stimmten dafür. Es gilt seit dem 1. Januar 2026 und hat drei Stufen.
- Fragebogen: Alle 18-Jährigen, beginnend mit dem Jahrgang 2008, bekommen einen Online-Fragebogen zu Interesse und Eignung. Männer müssen ihn beantworten, für Frauen ist er freiwillig. Für den Jahrgang 2008 sind es rund 700.000 Fragebögen.
- Musterung: Ab dem 1. Juli 2027 wird sie für alle Männer ab dem Jahrgang 2008 Pflicht. Geplant sind 24 Musterungszentren. Gemustert zu werden heißt nicht, dienen zu müssen.
- Dienst: Er bleibt freiwillig. Wer sich für sechs bis elf Monate verpflichtet, beginnt bei rund 2.600 Euro brutto im Monat.
Wie es bisher läuft
Bis Ende September 2026 hat die Bundeswehr rund 492.800 Fragebögen verschickt, 253.000 davon an Männer. Von den Männern antworteten rund 96 %. Rund 4.450 Interessierte durchliefen eine Eignungsprüfung, 1.530 sind fest eingeplant. Insgesamt dienen rund 10.800 Menschen im Neuen Wehrdienst, freiwillig Wehrdienstleistende und Zeitsoldaten mit kurzer Verpflichtung zusammengerechnet. Die Bundeswehr insgesamt hatte Anfang Oktober 2026 erstmals über 190.000 Soldatinnen und Soldaten.
Wann es doch Pflicht würde
Das Gesetz setzt Ziele: bis 2035 über 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten und 200.000 Reservisten. Die Bundesregierung berichtet dem Bundestag alle sechs Monate, wie weit sie gekommen ist. Reichen die Freiwilligen nicht oder verschärft sich die Sicherheitslage, kann der Bundestag auf Antrag der Regierung eine „Bedarfswehrpflicht“ beschließen. Dafür braucht es ein eigenes Gesetz und damit eine neue Abstimmung. Ein automatisches Verfahren oder eine Auswahl per Zufall gibt es derzeit nicht.
Was die Deutschen davon halten
Die Meinungen gehen auseinander, vor allem zwischen Jung und Alt. Im ZDF-Politbarometer vom Oktober 2025 wollten 50 % eine Wehrpflicht für Männer und Frauen, 19 % nur für Männer, 29 % gar keine. Bei den 18- bis 34-Jährigen, der Gruppe, die am ehesten betroffen wäre, lehnten 60 % eine Wehrpflicht ab. Ein Losverfahren zur Auswahl lehnten 84 % ab. Für einen schnellen Personalaufbau der Bundeswehr sprachen sich im ARD-DeutschlandTrend vom Juli 2025 rund drei Viertel aus.
Der Unterschied ist erklärbar: Eine Pflicht träfe fast nur die Jüngeren.
Deutschland steht damit nicht allein
Andere Länder haben die Frage anders gelöst. Finnland bildet jedes Jahr rund 22.000 Wehrpflichtige aus und hält so eine große Reserve. Wie viele Soldaten Europa insgesamt hat und wie viele nach Schätzungen fehlen würden, steht in Wie viele Soldaten hat Europa?
Der Neue Wehrdienst ist Deutschlands Beitrag zu dieser Rechnung. Wie viel jedes Land allein aufbringen muss, hängt auch davon ab, wie eng Europa bei der Verteidigung zusammenarbeitet: gemeinsam ausbildet, dieselbe Ausrüstung nutzt und Reserven aufeinander abstimmt.